Das Gemälde zeigt die beiden Protagonisten, Corinth und das Skelett, nebeneinander, im Hintergrund scheint das Panorama der Stadt München auf, das durch das breite Atelierfenster zu sehen ist. Das Bild schneidet die Körper in Brusthöhe ab und stellt entsprechend nur Oberkörper und Köpfe dar. Der Maler stellt sich selbst kaum oder gar nicht idealisiert dar. Er trägt einen Schnurrbart und kurze dunkle Haare, die durch Geheimratsecken gekennzeichnet sind, außerdem ein kariertes helles Hemd mit dunkler Krawatte. Das Skelett ist an einem Gestänge mit einem Bügel im Schädel aufgehängt und ein wenig niedriger als der Künstler.
Lovis Corinth malte das ?Selbstporträt mit Skelett? als Antwort auf das ?Selbstporträt mit fiedelndem Tod? des zu diesem Zeitpunkt in München und in ganz Deutschland sehr bekannten und geschätzten Schweizer Malers Arnold Böcklin. Böcklin stellt das Skelett in seinem Bild lebendig dar, es spielt eine Geige, der der Künstler lauscht. Auf diese Weise will er darauf aufmerksam machen, dass das Leben endlich ist (Memento mori), zugleich dient der Tod dem Künstler als Muse. Das Skelett und das Geigenspiel sind in diesem Kontext ein bekanntes und seit dem Mittelalter häufig genutztes Motiv. Auch Hans Thoma griff 1875 das Motiv des Skeletts als Muse in seinem ?Selbstbildnis? auf. Hier schaut dem malenden Künstler ein mit einem Lorbeerkranz geschmückter Schädel über die Schulter und über seinem Kopf, im Geäst eines Baumes, sitzt zudem der Gott Amor. Lovis Corinth greift das Motiv auf und stellt es in einen vollständig neuen Kontext. Er stellt ein Skelett dar, wie es im Normalfall als Lehrmodell für anatomische Demonstrationen in der Medizin verwendet wird ? unlebendig und in Form eines Gegenstandes, dem alle Bedrohlichkeit und Symbolkraft genommen wurde. Das Skelett als Gebrauchsgegenstand hält sich nur durch die Aufhängung an einem Eisenständer aufrecht. Verstärkt wird der Wirklichkeitsbezug durch die reale Großstadtdarstellung mit qualmenden Schloten, die durch das Fenster in den hell erleuchteten Raum dringt. Der Künstler zeigt mit der Darstellung seiner Person mit dem Skelett die klare und natürliche Begrenzung des Lebens durch den Tod auf, an der keine Mystik vorhanden ist.
Corinth malte seit 1886 in regelmäßigen Abständen Selbstporträts, in keinem der anderen Porträts kommt allerdings das Skelett vor. Das Motiv des aufgeängten Skeletts mit ihm auf einem Bild griff er 1916 in ?Der Künstler und der Tod? nochmals auf, diesmal ohne Atelierfenster und stattdessen mit einem Ziegenschädel in Form einer an die Wand gehängten Trophäe im Hintergrund. In seinen späteren Graphiken und Zeichnungen, die nach seinem Schlaganfall 1911 und dem Kriegsverlust 1918 entstanden, ist der Tod in Form eines Totenschädels allerdings sehr häufig zu finden. Hier verleiht er dem Tod allerdings wieder seine bedrohliche Symbolik, die er in diesem Gemälde vermissen lässt. Durch seine persönlichen Rückschläge verstärkt, wurde der Tod in seinen späteren Werken wieder zur Allegorie, ?die ihn bis zum Ende seines Lebens herausfordern sollte.? Besonders beeindruckend ist dies in der Mappe mit sechs Kaltnadelradierungen, die unter dem Namen ?Der Totentanz? 1921 erschien, zu sehen. In allen sechs Bildern werden dargestellte Personen mit dem Tod in Form eines Totenschädels konfrontiert.
Web links
Quelle: Wikipedia.de
Bilder von Lovis Corinth
"Selbstporträt mit Skelett? von Lovis Corinth
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