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Die Klinik Gross von Thomas Eakins



Die Klinik Gross (The Gross Clinic) ist ein realistisches Öl-Gemälde aus dem Jahr 1875 von Thomas Eakins im Format 244×198 cm. Eakins selbst sah in dem Gemälde sein wichtigstes Werk. Heute wird es von der Kunstgeschichte als eines der bedeutendsten Werke eines amerikanischen Künstlers im 19. Jahrhundert gesehen. Auch medizingeschichtlich ist es ein wichtiges Bild. Der Vergleich mit Eakins späterem Gemälde Die Klinik Agnew zeigt deutlich den Fortschritt in der Chirurgie. Die Klinik Gross wurde zur Jahreswende 2006/2007 für den Rekordpreis von 68 Millionen US-Dollar verkauft.Das Gemälde zeigt den 70-jährigen Samuel D. Gross, einen berühmten Chirurgen, der im Jefferson Medical College eine Vorlesung vor einer Gruppe Studenten hält. Gross trägt einen Gehrock, der zugleich sein Maskottchen ist: ?a veteran of a hundred battles?.[1] Seine Augen liegen im Schatten und sind nicht zu erkennen. Bei den weiteren Ärzten am Operationstisch handelt es sich um (von links nach rechts): Dr. Charles S. Briggs, Dr. William Joseph Hearn (der Narkosearzt), Dr. James M. Barton (Gross' Klinik-Chef) und Dr. Daniel M. Appel (der kürzlich am Jefferson Medical College graduierte). Verdeckt hinter Gross befindet sich ein weiterer unbenannter Arzt. Der Protokollant hinter der Schulter von Gross ist Dr. Franklin West. Auch die Studenten können namentlich benannt werden, so sitzt in der hinteren Reihe als dritter von rechts Robert C. V. Meyers (der spätere Poet). Allerdings handelt es sich bei einigen identifizierten Zuschauern nicht um Medizinstudenten, sondern um Studenten der Pennsylvania Academy of Fine Arts. Im Zugangstunnel des Operationstheaters stehen Hughey O'Donnell (ein Krankenpfleger) und Dr. Samuel W. Gross (Sohn von Gross und ebenfalls Chirurg). Ebenfalls unter den Abgebildeten sitzt am rechten Bildrand der zeichnende Eakins selber. Der Patient wird gewöhnlich als junger Mann oder Junge identifiziert, obwohl dies aus dem Gemälde nicht sicher hervorgeht. Die einzige Frau im Bild wird gemeinhin als die Mutter des Patienten angesehen. Zum Zeitpunkt des Bildes hat Gross seinen Schnitt bereits vorgenommen, seine Hand mit dem Skalpell ist blutverschmiert. Er wird hell durch ein Deckenfenster beleuchtet. In System of Surgery benennt Gross die Tageszeit von 11 bis 15 Uhr wegen der Lichtverhältnisse als ideal für Operationen und so ist anzunehmen, dass auch diese Operation in diese Tageszeit fällt. Die OperationswundeGross behandelt im Bild eine Osteomyelitis des Oberschenkelknochens, d. h. es wird nekröses Knochengewebe entfernt. In früheren Zeiten hätte diese Erkrankung zur Amputation der betroffenen Gliedmaße geführt. Im 19. Jahrhundert war jedoch eine konservative Behandlung, wie sie hier gezeigt wird, möglich. Seine Signatur hat Eakins vorne auf den Operationstisch gemalt. Ein anderes Bild mit dem Die Klinik Gross immer wieder verglichen wird, ist die Anatomie des Dr. Tulp von Rembrandt, die Eakins höchstwahrscheinlich von seiner Europareise bekannt war. Dieses, wie auch andere bekannte Abbildungen von Chirurgen, zeigt jedoch keine Operation, sondern eine anatomische Vorlesung und der Eingriff hat auch noch nicht begonnen. Ein Unterschied ist auch der anatomische Text, der in Tulps Vorlesung der Anleitung dient, aber in Eakins Bild nicht vorkommt. Die Kinik Gross wird für ihren konsequenten Realismus bewundert und hat auch einen wichtigen Platz in der Dokumentation der Medizingeschichte ? sowohl weil sie die Entstehung der Chirurgie als Heildisziplin (vorher war Chirurgie hauptsächlich Amputation) honoriert, als auch weil sie zeigt, wie das chirurgische Theater im 19. Jahrhundert aussah. Das Gemälde basiert auf einem Eingriff, der von Eakins beobachtet wurde. Gross wird hier bei einer erhaltenden Operation gezeigt, im Gegensatz zu einer Amputation (wie der Patient in früheren Dekaden behandelt worden wäre). Die Chirurgen drängen sich um den betäubten Patienten in ihren Gehröcken. Dies ist gerade vor der Einführung einer hygienischen chirurgischen Umgebung (siehe Asepsis). Beim Vergleich mit der Klinik Agnew sehen wir den Fortschritt in unserem Verständnis der Infektionsprävention. Interessanterweise wird das Geschlecht des Patienten durch nichts im Bild selbst bestimmt. Dieser Fakt macht Die Klinik Gross einzigartig, da es dem Betrachter einen nackten und entblößten Körper präsentiert, aber dieser dennoch nicht als männlich oder weiblich erkennbar ist. Ein anderes verblüffendes Element des Bildes ist die einzelne Frau in dem Gemälde, zu sehen im Mittelgrund, sich in Bedrängnis krümmend. Sie kann als Verwandte des Patienten gesehen werden, die als Begleitperson auftritt. Ihre dramatische Figur stellt einen starken Kontrast dar zum ruhigen, professionellen Verhalten der Männer um den Patienten. Diese blutige und sehr unverblümte Darstellung der Chirurgie war zur Zeit ihrer ersten Ausstellung schockierend und ist es für viele Betrachter noch heute. Dass Eakins die Gewalttätigkeit seines Bildes bewusst war, lässt sich aus einer Fotografie schließen, in der Eakins und seine Studenten das Bild parodieren: Statt eines Skalpells hat der Darsteller des Gross eine Axt in der Hand.


Web links
Quelle: Wikipedia.de



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