Als Kindermord in Betlehem wird der angebliche Mord an allen Jungen Bethlehems auf Befehl König Herodes des Großen bezeichnet. Laut dem Matthäusevangelium soll Herodes (Mt 2,13-18 EU) nach Jesu Geburt alle Knaben ermordet haben. "[...] Herodes [...] wurde [...] sehr zornig und er ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, [...]" Im christlichen Umfeld findet sich für die Opfer häufig die Bezeichnung Unschuldige Kinder. Wissenschaftlich wird die Geschichte allgemein angezweifelt, da diese Tat durch keine historische Quelle belegt ist. Als König Herodes von Judäa durch die Sterndeuter aus dem Morgenland (die sog. Heiligen Drei Könige) von der Geburt Jesu erfährt, und dass dieser der neue König der Juden sein wird, lässt er die Weisen Israels befragen, wo diese Geburt stattgefunden habe. Diese identifizieren aufgrund prophetischer Weissagungen Betlehem als Geburtsort. Daraufhin beschließt er den Konkurrenten für sich und seine Söhne auszuschalten, indem er in Bethlehem alle Knaben unter zwei Jahren töten ließ. Dem Ziehvater Jesu wurde jedoch in einem Traum bedeutet, nach Ägypten zu fliehen, so dass Jesus dem Kindermord entging. Während die griechische Liturgie 14.000 ermordete Knaben nennt und mittelalterliche Autoren bis zu 144.000 Opfer angeben, sprechen spätere Theologen (Joseph Knabenbauer, August Bisping) auf Grund der anzunehmenden Größe des Ortes Betlehem zu biblischen Zeiten nur noch von etwa sechs bis zwanzig erschlagenen Kindern. Ältestes Zeugnis für die Rezeption des biblischen Berichts vom Betlehemitischen Kindermord ist eine Predigt des Bischofs Optatus von Mileve aus der Zeit um 360. Auch Augustinus (? 430) und Caesarius von Arles (? 542) rühmen die kindlichen Märtyrer, denen es vergönnt war, nicht nur als Zeugen für Jesus, sondern stellvertretend für ihn zu sterben. Ende des vierten Jahrhunderts berichtet der römische Philosoph Ambrosius Theodosius Macrobius in seiner Schrift "Saturnalia" davon, dass Augustus, als er davon gehört hatte, dass Herodes, König der Juden, alle Jungen in Syrien unter dem Alter von zwei Jahren töten ließ und dabei auch sein eigener Sohn umgebracht worden sei, kundtat: ?Bei Herodes ist es besser, sein Schwein zu sein als sein Sohn.? (Macrobius, Saturnalia, 2, 4, 11). Der Codex Egberti (10. Jahrhundert) enthält eine der ältesten bildlichen Darstellungen des Kindermordes. Es ist zwar belegt, dass Herodes der Große ein striktes und grausames Regiment geführt hat. So hat der römische Historiker Josephus alle ihm bekannten Verbrechen des Herodes recherchiert und zusammengestellt, von einem Kindermord von Betlehem berichtet Josephus dabei allerdings nichts. Mythologische Ähnlichkeiten: Die Mehrheit der Exegeten (Auslegungen) geht von einem mythologischen Motiv des Kindermords anlässlich der Ankunft eines heiligen Königs aus. So soll ein König von Bhojas namens Kamsa versucht haben, den Aufwuchs Krishnas zu verhindern, indem er etliche Kinder hinschlachten ließ. Auch dem mythischen König Arthur (Artus) war von Merlin geweissagt, einst würde ihn ein an einem 1. Mai geborenes Kind ablösen. Darum ließ er alle im fraglichen Zeitpunkt geborenen Kindern edler Herkunft, die als Prinzen in Frage kamen, einsammeln und auf ein Schiff verfrachten, das auf hoher See versenkt wurde. Wie in solchen Geschichten üblich, nützte ihm solches Aufbegehren gegen das Schicksal nicht, denn Mordred, der gemeinte, entkam glücklich und wurde aufgezogen. Sind die vorgenannten Motive rein phänomenologisch vergleichbar, so wird ein Kindermord im Alten Testament möglicherweise als Vorlage im eigentlichen Sinn gedient haben. Der Pharao ließ alle neugeborenen Knaben der Israeliten töten. Allerdings war hier das Motiv nicht die Ausschaltung eines persönlichen Konkurrenten, sondern die demographische Schwächung eines versklavten Volkes. Damals entging Moses dem Kindermord. Fund von Babyknochen in Ashkelon: An dieser spekulativen Deutung erweckt auch der Fund von Hunderten von Babyknochen in einem Wohnviertel hinter den ehemaligen Hafenanlagen der Hafenstadt Ashkelon, einer der zur Zeit Jesu wichtigsten Häfen Palästinas, kaum Zweifel. Laut dem Papyrologen Carsten Peter Thiede seien diese auf die Zeit des Herodes zu datieren und stammten zu einem großen Teil von Jungen unter zwei Jahren. Allerdings wird deren Ermordung von den meisten beteiligten Wissenschaftlern nicht einem politischen Motiv zugeschrieben, sondern als Tötung von unerwünschten Kindern im Rotlichtmilieu gedeutet. Zudem spricht selbst die einzige Quelle nicht von der Tötung von Kindern außerhalb Betlehems, so dass die Annahme dieser Fund sei ein Beleg für die Historizität der Erzählung eher abwegig erscheint. Für den Kindermord in Betlehem selbst gibt es keine weitere unabhängige Quelle.
Web links
Quelle: Wikipedia.de
Christoph Ranziger: Peter Paul Rubens- Der Kindermord in Bethlehem ...
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